Glückliche Dreckspatzen!

Glückliche Dreckspatzen!

Den Boden, den wir als Dreck, Lehm oder Schlamm bezeichnen, enthält eine Vielzahl verschiedener Pflanzen, Kräuer, Samen und Blätter, genauso Mineralien, Spurenelemente, ätherische Öle oder Harze. So wie Moorerde als Heilmittel bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt wird, so ist der Boden mit seinen natürlichen Stoffen als Heilmittel für das kindliche Spiel von unschätzbarem Wert. Dass die Kinder sich beim Spielen mit dem Boden dabei ständig dreckig machen, ist notwendig und elementar wichtig für ihre persönliche Entwicklung.

Beim Spielen mit diesen Ur-Elementen hat die Aktivität des Kindes immer Vorrang, mit dem Ergebnis seine eigene Innenwelt zum Ausdruck zu bringen. Kann das Kind dabei seinen inneren Impulsen folgen, wird eine Dynamik frei gesetzt, die das KInd an sich noch nicht erlebt hat.

Schlamm und Lehm zeigen dem Kind im Handumdrehen ihr Geheimnis. Bei vielen Kindern mit Problemen in der Wahrnehmung und der Motorik sind diese Naturmaterialien fördernd. Es gibt kein besseres Material seine Wut und Aggression abzubauen. Lehm und Schlamm können beim Spiel immer verändert werden. Gerade durch ihre Geschmeidigkeit entsteht eine starke Verbindung zwischen Kind und Material. Kinder im "Dreck" versprühen immer eine große Freude. So wie die Wurzel eines Baumes in der Erde ihren Halt finden, so brauchen Kinder Boden, um sich richtig erden zu können.

Ein Zitat lautet: "Sie stecken ihre Nase in jeden Dreck". Eine Eigenschaft von Kindern ist ihre überlebensnotwendige Neugier. Deshalb brauchen wir Erwachsene uns keine Sorgen zu machen, dass wir zu wenig Einfälle oder zu wenig Phantasie haben, um sie sinnvoll zu beschäftigen. Wenn sich die Kinder trotzdem langweilen liegt es vielleicht daran, dass wir ihnen 9 von 10 Tätigkeiten verboten haben.

Dem eigenen Tun des Kindes und vor allem dem quasi Nichts muss ein Wert gegeben werden! Kinder sollen lieber mit Erde spielen als die Lebenslust zu verlieren durch ständiges Achten auf saubere Hände, Schuhe und Kleidung. Das Naturspiel mit Boden, Schlamm und Lehm bedarf keiner Hilfsmittel, außer dem Körper des Kindes. Sie können dabei nichts falsch machen. Technischer Perfektionswunsch ist hier nicht gefragt. Die Erde hat für das Kind dabei einen hohen Aufforderungscharakter zum sozialen Lernen.

Leider ist dieses Lebenselement für die Erwachsenen wenig attraktiv in ihren Wertmaßstäben. Es liegt ja einfach so in der Natur herum und kostet nichts. Da es aber nichts kostet, lässt sich damit auch nichts verdienen, im Gegensatz zu technischen Spielgeräten.

vgl. Rudolf Hettich Urspiel Herbst 2014, S.13ff

Es ist an der Zeit sich davon zu lösen, dass ein statisches und farbiges Spielgerät die Voraussetzung bildet für das kindliche Spiel, vielmehr das "Nichts" einen viel größeren Wert besitzt. Ich lade sie ein das Spiel ihres Kindes einmal mit etwas Abstand zu beobachten. Schauen Sie dabei ruhig auch einmal liebevoll auf sich selbst.

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